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Stephan Thelen: Fractal Guitar 4 (Review)

Artist:

Stephan Thelen

Stephan Thelen: Fractal Guitar 4
Album:

Fractal Guitar 4

Medium: CD/Download
Stil:

Experimenteller, instrumentaler, psychedelischer Progressive Rock, Ambient

Label: MoonJune Records
Spieldauer: 62:50
Erschienen: 01.05.2026
Website: [Link]

„Die Verwebung all dieser zahlreichen, oft disparaten Elemente zu einem Konzept, das ebenso einzigartig und anders ist wie Thelens Arbeit mit SONAR, macht 'Fractal Guitar' nicht nur zu einer Meisterklasse der Gitarre des 21. Jahrhunderts, sondern zu einem wahren Gitarren-Meisterwerk des neuen Jahrtausends.“ (durchaus zutreffende Beschreibung des Albums unter der bandcamp-Seite des amerikanischen Gitarristen und Fripp-Schülers)

Bei STEPHAN THELEN hauen heutzutage noch nicht mal mehr die allseits beliebten und altbekannten Sprichworte und unabdingbaren Weisheiten hin – so wie: „Aller guten Dinge sind drei!“
Im Falle von „Fractal Guitar 4“ gilt jedenfalls ab sofort im thelenschen Sinne: „Aller guten Dinge sind vier!“
Selbst wenn Kollege Maier dem Vorgänger von „Fractal Guitar 4 vor gut drei Jahren attestierte, dass die Musik stark kopflastig und extrem komplex ist...


...was den Hörer durchaus überfordern kann (Womit unser Dominik völlig recht hat!), so werden gerade Freunde ganz besonderer Klang-Konstrukte, die beispielsweise ganz Ähnliches von einem ROBERT FRIPP oder MARKUS REUTER (der auch auf diesem Album aktiv vertreten ist) kennen, mit diesem ungewöhnlichen, vielen Experimenten offenen Album bestens bedient.

Zum vierten Mal holt der amerikanische Gitarrist, der aktuell nach seinem Umzug aus Zürich nunmehr in der rumänischen Hauptstadt Bukarest lebt und arbeitet, also seine „Fractal Guitar“ hervor und beweist – neben seinem Können als Musiker, Komponist und Produzent – in gewisser Weise auch seine Seite als ausgebildeter Mathematiker.


Denn auf „Fractal Guitar 4“ verblüffen einen acht breit angelegte Instrumentalstücke, die punkt- und passgenau verwoben und von vielen Musikern umgesetzt werden – so als gäbe es für die improvisatorisch konzipierten Stücke eine große mathematische Formel, der die Musiker folgen. Hier erscheinen in der frippschen Perfektion (Thelen war einer seiner Gitarren-Schüler) die atmosphärischen Klangwelten zwischen KING CRIMSON und SOFT MACHINE sowie dem damals wie heute faszinierenden LIQUID TENSION EXPERIMENT mit Jordan Rudess, John Petrucci, Mike Portnoy und Tony Levin tatsächlich wie in einer klar gesetzten mathematischen Formel voller Unbekannten klar sowie akkurat entworfen und abgestimmt.

Großen Einfluss hat hierauf die Tatsache, dass „Fractal Guitar 4“ im Jahr 2025 in verschiedenen Städten Europas und Nordamerikas aufgenommen wurde, hauptsächlich in Bukarest (Thelens neuen Wohnort), Zürich (Thelens vorherigen Wohnort), Oslo (dem Wohnort seines an allen Stücken beteiligten norwegischen Gitarristen) und Portland, wobei neben Thelen die wichtigsten Mitwirkenden besagter norwegischer Gitarrist Eivind Aarset, der amerikanische Gitarrist Jon Durant und der israelische Schlagzeuger Yogev Gabay sind, während als Gastmusiker Markus Reuter (Touch-Gitarre), Fabio Anile (E-Piano), Stefan Huth (Touch-Bassgitarre), Giri Subramaniam (Tabla) und Andi Pupato (Percussion) zum Einsatz kommen.

Bereits der fast viertelstündige Album-Opener „In Search Of The Miraculous“ reißt einen wegen der auf den Punkt gebrachten progressiven Klangdramatik voller Gitarreneffekte, aber auch 70er-Orgeln, Synthesizer und ein taktgebendes, treibendes wie polyrhythmisches Schlagzeugspiel mit. Den spannenden musikalischen Hintergrund erfährt man ebenfalls auf der Thelen-bandcamp-Seite, wo es heißt: „Der Titel dieses Stücks stammt aus dem Buch des russischen Philosophen P. D. Ouspensky, der darin seine faszinierenden Begegnungen mit dem armenischen Mystiker G. I. Gurdjieff beschreibt. Thelen las das Buch erneut, während er nach seinem kürzlichen Umzug von Zürich nach Bukarest Kisten auspackte und an einem Stück arbeitete, das lose von Keith Emersons 'Tarkus' inspiriert war.“


Bei dem folgenden (mitunter weltmusikalisch-psychedelisch anmutendem) „Fractal Guitar Goes To Africa“ kommen – dem Titel getreu – nunmehr noch überdeutliche Einflüsse eines BRIAN ENO, der sich bereits 1981 gemeinsam mit DAVID BYRNE für ein Leben im Busch der Geister entschieden und damit begeistert hatte, mit ins Spiel, wobei Thelen sogar zu Hörnern und Kalimba greift!
Ein dunkles und gleichermaßen faszinierendes Stück, welches nunmehr den extremen Abwechslungsreichtum, der auf „Fractal Guitar 4“ noch folgen wird, ankündigt.


Oder dieses einem BILL LASWELL gewidmete „Crossings“, das sich natürlich nicht dessen deutlichem Einfluss aus Ambient und Electronics im jazzgeprägten Stil entziehen kann.
STEPHAN THELEN setzt auf eine klangvolle Noten- wie Farbvielfalt, die durchaus den Einfluss anderer Musiker erkennen lässt, aber auf „Fractal Guitar 4“ ihr völlig eigenes Jazz-Post-Prog-Rock-Ambient-Spielfeld entfaltet.

So geht es nunmehr mal breit aufgestellt – mit bis zu sieben an einem Stück beteiligten Musikern – lustig wie düster und instrumental weit ausholend, zwischen experimentell, improvisatorisch und extrem detailliert komponiert sowie mit oft finsteren Dynamiken versehen, weiter.
Darüber, ob die Anspielungen auf „Haumea“ in Richtung floydianischer Früh-Psychedelik der Marke „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, die dann in den beiden Teilen von „Eclipse“ erneut aufgegriffen werden, beabsichtigt sind, darf gerne gerätselt werden. Obwohl – nicht vergessen: STEPHAN THELEN ist eben auch der Mathematiker, der bestimmt genaustens plant und abwägt, was auf seinem Album geschieht und was nicht. Und mit diesem „Fractal Guitar 4“ ist ihm ein Meisterstück – so gesehen die Gitarrenformel zum progressiven Glück – gelungen.


FAZIT: Dass der in Bukarest lebende amerikanische Gitarrist STEPHAN THELEN, der sein Studium an der klassischen Gitarre absolvierte, auch die Gitarrenseminare in den 1990er-Jahren bei ROBERT FRIPP besuchte, ist auf „Fractal Guitar 4“ unüberhörbar. Genauso wie seine enge Zusammenarbeit mit MARKUS REUTER, einem weiteren 'Fripp-Jünger', der allerdings noch intensiver auf die 'Touch Guitar' setzt als Multiinstrumentalist Thelen. „Fractal Guitar 4“ ist prog-jazz-post-ambient-rock-orientierte Instrumentalmusik, die grenzen- und kompromisslos das klangliche und expressive Potenzial der modernen E-Gitarren-Kunst aller Spielarten in Kombination mit digitalen Effekten und der Leidenschaft zusätzlicher (Gast-)Musiker auslotet.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 63x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • In Search Of The Miraculous
  • Fractal Guitar Goes To Africa
  • Haumea
  • Crossings
  • Creatures Of The Night
  • Eclipse, Phase One
  • Eclipse, Phase Two
  • In Search Of The Miraculous (Coda)

Besetzung:

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